Lisa Sonnenschein
Ohne genau zu wissen, was uns dort erwartet, werden wir mit der Fähre auf eine Insel verfrachtet. Alles was wir wissen: Wir sollen dort wohl ein Erziehungscamp aufsuchen, aber ob wir je dort ankommen, steht angesichts des starken Sturms noch in den Sternen...
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Mission X ist eine App (für iOS und Android erhältlich, einfach im Appstore suchen), die eine Geschichte erzählt, aber auch Entscheidungen vom Spieler fordert. Je nachdem, für welchen Weg oder welche Interaktionen man sich entscheidet, erreicht man das eine oder das andere oder wieder ein anderes Ende.
Es gibt mittlerweile drei Geschichten der Mission X Reihe und ihrem Gameplay ("Hidden Island", "Last Society" und "Dark Ride"), dieser kleine Einblick hier soll sich mit der Erstgenannten beschäftigen.

Zunächst: Der Download der App ist erstmal völlig kostenlos und man kann sich so problemlos einen Einblick verschaffen. Nach einigen Entscheidungen wird man dann allerdings gebeten, um das komplette Spiel spielen zu können, 99cent zu entrichten. Ansonsten muss aber auch nichts gezahlt werden, es gibt keine Spezialdiamanten, keine Sondergegenstände oder Sonstiges, für das man dann noch mal in die Tasche greifen müsste.

Bestechend an dem Spiel ist seine Atmosphäre. Ihr solltet (wenn ihr es euch denn runterladet) unbedingt ungestört und mit Ton spielen - die Geräusche sind perfekt auf den Text ausgerichtet und es hat schon wirklich was Beklemmendes, einen finsteren Hintergrund gepaart mit dem pfeifenden Wind zu erleben...
Die Entscheidungen sind nicht immer leicht zu fällen (wie im Beispiel rechts: Hafen erkunden oder lieber warten?), man wird jedoch häufig auch in die richtige Richtung geschubst. Wer dann nach dem dritten "Der Boden bebt immer stärker" immer noch lieber auf der Straße stehen bleibt und sich nicht bewegt, muss eben damit rechnen, dass die Geschichte nicht unbedingt zu seinen Gunsten ausgeht ;). Grundsätzlich sind also alle Entscheidungen plausibel, man hat eher weniger die Chance, den verrückten Wahnsinnigen zu spielen, der nur rückwärts spricht und sich jeder Gefahr mit Anlauf in die Arme wirft - es sind eher die "Bauchgefühl"-Entscheidungen, die hier getroffen werden.
Das Spiel ist unheimlich textlastig, man hat also nicht das Gefühl, einen interaktiven Film zu spielen, sondern eher ein interaktives Buch. Die Hintergründe sind still, sodass man auch vom Lesen nicht abgelenkt wird. Der Text selbst wird in kleinen Häppchen direkt hintereinander eingeblendet und pausiert nur, wenn eine Entscheidung getroffen werden muss. Langsame Leser können aber in den Einstellungen auch die Textgeschwindigkeit ein bisschen drosseln (sonst scrollt man nämlich bei jeder Entscheidung fröhlich wieder nach oben, um überhaupt alles mitzubekommen).

Was auch noch ein lustiges Feature ist: Wenn man bestimmte Ereignisse erreicht oder Gegenstände findet, gibt es witzige Grafiken, die man mit Freunden teilen, oder auch per Whatsapp verschicken kann. Die Sprüche sind manchmal wirklich zum Schmunzeln, sodass mein Freundeskreis so manches Mal eins der Bilder völlig ohne Zusammenhang zugeschickt bekam ;). Die Reaktionen waren teilweise ziemlich witzig.


Das Spiel ist darauf ausgelegt, mehrfach gespielt zu werden, um auch alle Enden und Gegenstände zu erspielen - ich persönlich habe aber dafür nicht so richtig den Ehrgeiz, sodass irgendwann mein Freund (der da richtig begeistert von war) das Handy übernommen hat. Wenn man es nur einmal durchspielt, hat man auch "nur" etwa 15-20min Spielspaß würde ich schätzen, damit rechtfertigt sich wohl auch der niedrige Preis. Für die begeisterten "Ich will alle Enden"-Spieler gibt es dann noch eine kleine Landkarte, auf der Man den Punkt in der Geschichte auswählen kann, von dem aus man wieder starten will - man sieht so auch, von wo aus noch Storypfade fehlen. Es ist also nicht so, als müsste man alles noch mal von vorne machen, um dann nicht zu wissen, ob man sich an Stelle X für Ende Y richtig entschieden hat, da hat jemand super mitgedacht :)!
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Mein Fazit: Ein super unterhaltsames und spannendes Spiel, vielleicht auch eine super Idee, um mal einen Lesemuffel an eine fortlaufende Geschichte zu bringen? :) Die Enden waren sehr überraschend, die Atmosphäre düster und packend - im Prinzip bekommt man hier einen kurzen Jugend-Psycho-Thriller (Was für ein Genre...!) zum Mitmachen. Für mich persönlich hätte die Geschichte noch etwas länger sein können, weil mir für mehrmaliges Durchspielen einfach die Motivation fehlt.
Lisa Sonnenschein
Es folgt die Rezension zum zweiten Teil der X-Reihe von A.L.Kahnau, die auch für die Leser spoilerfrei ist, die den ersten Teil noch nicht gelesen haben. Wenn ihr trotzdem lieber von vorne anfangen wollt, geht es zu meiner ersten Videorezension hier entlang.

Was lange währt, wird endlich gut - dieses Buch habe ich gemeinsam mit meiner Mama gelesen (die völliger Fan von The Walking Dead und Zombiefilmen der ersten Stunde ist) und wollte es darum auch gemeinsam mit ihr rezensieren.

Wie viel Chaos dabei rumgekommen ist, könnt ihr in der Videorezension ab Minute 12:29 sehen.


Wir befinden uns immer noch in Kreuztal inmitten der ausgebrochenen Zombieapokalypse und wir sind immer noch mit denselben Personen unterwegs, mit denen wir aufgebrochen sind (einige "personelle Schwankungen" inklusive, versteht sich^^). Es wird jedoch klar, dass Mila und Co. ihre Bastion in der Schule nicht ewig halten können, denn in diesem Buch wird langsam klar, dass die Zombies nicht das einzige Problem der Schüler ist - der Hunger stellt sich ein.

Das wirklich Bestechende an dieser Buchreihe ist der Sprachstil der Autorin - obwohl Mila noch sehr jung ist und nicht immer auf die klügste Weise handelt, musste ich nicht ständig die Augen verdrehen über die Tollpatschigkeit der Protagonistin, da wurde vielmehr ein gutes Mittelmaß getroffen. Wer horrormäßige, knallharte Spannung sucht, ist hier falsch - genau so aber auch jemand, der die klischeehaften Teenie-Handlungsverläufe möchte. Ich glaube, dass die Autorin mit diesem Spagat ziemlich genau den Zahn der Zeit trifft.

Auch spannend ist der Umstand, dass wir nicht mehr nur die Komponenten "Überleben", "Flüchten" und "Wo steckt meine Familie" in der Geschichte haben, sondern auch ganz pragmatische Probleme neu entdecken - so zum Beispiel den Hunger oder auch den Umgang mit Verlust...
Der mysteriöse Dante bringt hier auch noch eine Dynamik rein, die ich noch nicht ganz verstanden habe - ist er gut? Ist er böse? Und wie zum Henker hängt da die Regierung mit drin?
Also irgendwas ist da verflixt faul und es macht nicht nur Spaß, mit Mila und ihren Freunden mitzufiebern, wie sie immer neue Situationen meistern müssen, sondern auch das Große Ganze setzt sich im Hintergrund zusammen und ich persönlich konnte meinen miträtselnden Kopf gar nicht mehr ausschalten (Überraschung: Auf die Lösung des Ganzen bin ich trotzdem nicht gekommen -.-).

Mein Fazit: Diese Reihe macht hochgradig süchtig! Das Buch habe ich schon nach ein paar Stunden weggelesen und es schreit laut nach mehr. Es vereint moderne Jugendliteratur mit ganz klassischen Zombieroman-Motiven der Achtziger, einfach nur gut. Wo ist der nächste Part??
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A.L. Kahnau: X - Es breitet sich aus. Erschienen am 30. Mai 2016 bei Books on Demand. Kostenpunkt: 8,99€ als Taschenbuch.

Lisa Sonnenschein
Dieses Buch habe ich als Rezensionsexemplar vom Autor erhalten, Anfang des Jahres schon mal reingelesen und dann festgestellt, dass ich irgendwie gar nicht wusste, was ich erwarten sollte. Zugunsten einer anderen Leselust musste das gute Stück dann erstmal ruhen.

Warum es mich dann trotzdem noch mitnehmen konnte, seht ihr im Video gleich als erstes oder natürlich wie immer im Text ;).


Leon ist schon sein Leben lang das, was man wohl positiv einen "Lebenskünstler" nennen würde (negativ wäre das dann der "verplante Chaot"). Dieses Lebenskünstlertum betrifft auch die Beziehung zu seiner Freundin Carina - doch als sie ihm ein Ultimatum stellt, sieht sich Leon mit seinem besten Freund Otis auf einmal der Art Herausforderung gegenüber, die nicht mal er sich hätte träumen lassen. Gewaltbereite Polizisten, gleich mehrere Leichen und eine Verfolgungsjagd, die sich gewaschen hat.

Warum mich das Buch zu Beginn so verwirrt hat? Naja, es hat irgendwie von allem ein bisschen - es ist witzig, dramatisch und auf den ersten Seiten definitiv KEIN Krimi, wie meine Kurzbeschreibung das jetzt erahnen lassen könnte. Ich wusste nicht so richtig, wo der Autor mit mir hin wollte, das hat mich irritiert. Wenn allerdings die Richtung später klar ist, bekommt man bei diesem Buch einen unheimlich schrulligen Humor (meine Ma würde sagen "typisch 80er") - ein bisschen vulgär, ein bisschen absurd, aber ursympathisch und einfach zum Wegwerfen komisch.
Der Handlungsverlauf war für mich auch überhaupt nicht vorhersehbar und hat mich immer wieder mit lustigen Twists überrascht (lustige Notiz am Rande: Fast immer war so, dass ich mich gerade über die absurde Story aufregen wollte, als die gerade gelesene Seite mich aufklären könnte - der Effekt war wirklich gruselig zuverlässig!). Er war unheimlich rasant und actionreich, Otis und Leon sind wirklich ein Gespann, mit dem ich im richtigen Leben wirklich lieber nicht befreundet sein möchte, sie kommen auf die verrücktesten Ideen ;)! Mit Carina konnte ich mich da schon besser direkt identifizieren, aber damit spielt der Autor auch ein bisschen.

Mein Fazit: Ein unheimlich schrulliger, urkomischer Roman, der einen mitreißen kann, wenn man sich denn darauf einlässt. Ich gebe zu: den Humor muss man mögen - ich persönlich stehe da allerdings total drauf, weil es endlich mal was anderes und nicht der immer gleiche "Ich bin total unbedarft und stolpere in einen ernsten Fall, in dem ich der Polizei die ganze Arbeit abnehme"-Ermittlerfall ist. Großartige Abwechslung und wer sich jetzt gar nicht sicher ist, ob er das Buch mögen würde, dem sei die Leseprobe auf Amazon ans Herz gelegt :).
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Florian C. Booktian: Auseinandergelebt. Erschienen am 17. Dezember 2016 via CreateSpace. Kostenpunkt: 9,99€ als Taschenbuch.
Lisa Sonnenschein
"Hä? Was ist das denn für ein Autor?", werdet ihr fragen. Tjahaa, dabei handelt es sich um den Herausgeber einer wunderbaren Anthologie. Also nicht ein Autor, sondern viele und nicht eine Geschichte, sondern viele!

Das ist seit sehr langer Zeit meine erste Kurzgeschichtensammlung (bzw. Anthologie per definitionem) und ich war wirklich begeistert, was die Druck- und Marketingspezialisten da auf die Beine gestellt haben. Aber von vorne! 
Meine Videorezension zu dem Buch beginnt bei Minute 8:45.



Das Oberthema dieser Anthologie sind (wer hätt's gedacht) Heldengeschichten. Dabei ist die Auslegung des Begriffes ganz subjektiv - und das macht das Thema auch so spannend.
Die eine fasst den Helden im klassischen Sinne: der Ritter mit Schwert und Schild stürmt die Burg und rettet die Maid in Nöten - oder so.
Aber es gibt auch ganz unscheinbare Helden der Art "trägt der Omi von nebenan immer die Tüten in den fünften Stock" oder (mein persönlicher Favorit) den völligen Perspektivwechsel. Auf einmal wird das todesmutige Silberfischchen im Badezimmer, das sich gegen die fiese Spinne erhebt, zum Helden.

Dabei werden wir in ein wüstes Gefühlschaos gestürzt. Einmal sind bei mir sogar Tränen geflossen, weil ich so gerührt war und auf den nächsten drei Seiten musste ich unkontrolliert mit dümmlichem Grinsen weiterlesen. Es ist wirklich spannend, was die Autoren mit dem Thema angestellt haben.
Natürlich habe ich nicht jede Geschichte so begeistert gelesen - teilweise waren z.B. auch welche dabei, die gar nicht in das Genre "Kurzgeschichte" fielen (ihr wisst schon, offener Anfang, offenes Ende, skizzenhafte Darstellung der handelnden Figuren...), oder mir einfach zuuu dramatisch waren. Aber hey, die nächste Geschichte hat mich dann eben wieder mehr angesprochen ;).

Und da kommen wir auch zum nächsten Punkt: die Autoren. Es gibt am Ende jeder Geschichte (die so ungefähr zwei bis zwanzig Seiten lang sind) ein kurzes Autorenportrait - manchmal auch mit Homepage, sollte der Schreiberling schon länger als solcher unterwegs sein. Bedeutete für mich: ein Tag mit Google! Und es ist wirklich klasse, wen man so alles entdecken kann. Wenn der Schreibstil gefällt, einfach im Buch gleich weiterlesen - und so ist diese Anthologie mit Sicherheit auch gedacht.
Das Design ist ja nun wirklich ein Augenschmaus! Jede Seite mit wunderhübscher "alt"-Optik, das heroische Logo neben den Seitenzahlen, passende Bilder zu Beginn einer jeden Geschichte. Hach!

Das Beste habe ich jetzt für den Schluss aufgespart! Das Buch ist nicht das einzige seiner Art, jedes Jahr erscheint mindestens eins der wunderhübschen Bücher (natürlich mit anderem Thema und anderen Autoren) und wird völlig kostenlos auf der Leipziger Buchmesse verteilt.
"Verdammt, ich hab' keins ergattert" zählt auch nicht - denn hier könnt ihr die "Heroisch"-Anthologie kostenlos als pdf runterladen und lesen :). Und wenn ihr Lust habt, selber mal eine Geschichte einzureichen und euch schon super Ideen im Kopf rumspuken, dann könnt ihr euch hier mal über die aktuellen Ausschreibungen und bereits erschienene Bände schlau machen.

Viel Spaß beim Lesen und Schreiben! Ich kann nur noch mal sagen - Tolle Aktion! Klasse Geschichten! Und ich schaue bestimmt noch mal rein :)
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Anthologie "Heroisch" von wir-machen-druck.de
Lisa Sonnenschein
Die ewige Frage, mit der wir Germanistikstudenten (oder Geisteswissenschaftler generell) uns ständig rumprügeln müssen, ist die folgende "Und was macht man dann damit?"
Ich höre diese Frage jetzt seit fünf Jahren, mindestens einmal zu Weihnachten, wenn sich die Familie auf den neuesten Stand bringt, und bin froh, sie jetzt endlich beantworten zu können - jetzt muss ich nur noch erklären, wie ich darauf gekommen bin (was mir wesentlich lieber ist).
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Das Verlagswesen ist für uns ein ziemlich populärer Berufszweig, zusammen mit "irgendwas mit Marketing" und "Erwachsenenbildung/Sprachunterricht" war es immer meine Nummer-eins-Antwort auf die obige Frage. Tatsächlich Formen angenommen hat das aber erst, als ich a) den Entschluss gefasst habe, meinen eigenen kleinen Blog zu schreiben und b) immer wieder Korrekturen von Hausarbeiten oder Schreibprojekten von Freunden bei mir landeten. Den Anfang hat da mal wieder meine Nicky mit ihrer "Noel&Noelle"-Reihe gebildet (wer mehr zu genauen Abläufen einer solchen Korrektur lesen will, folge diesem Link).

Ich wurde aktiver in der "Buchszene" - auch andere Autoren kamen auf mich zu und ich konnte mal anderen in die Buchstaben gucken, als meiner Freundin Nicky (Dank an dieser Stelle an Michelle Parker und Sandra Öhl!). In einem meiner Uniseminare startete ich eine Projektarbeit mit einem Kommilitonen, der mit einer Gruppe von Studenten selbst einen kleinen Verlag gegründet hatte, den wunderbaren kladde|buchverlag. Schnell stellte sich raus: Die Jungs und Mädels suchten noch nach einer Korrektorin...

Der Gipfel war dann die Frankfurter Buchmesse im letzten Jahr - beim Schlendern zwischen den Ständen der Fachliteratur kam ich ins Gespräch mit einer Dame, die den Stand eines Fachverlages für philosophische und sprachwissenschaftliche Literatur betreute. Wir stellten fest, dass wir dasselbe studiert hatten und sie fragte mich ganz rundheraus, ob ich nicht Lust auf ein Praktikum bei ihnen hätte. Nachdem ich ihr von zu Hause aus meine Bewerbungsunterlagen zugeschickt hatte, meldete sich der Verlagsleiter bald bei mir und auf der Leipziger Buchmesse hatte ich ein abendlich-gemütliches Vorstellungsgespräch...
Jetzt habe ich eine Zusage für ein Volontariat im Bereich Lektorat in Hamburg und hoffe darauf, von dort aus meinen Weg weiter gehen zu können. 

Und angefangen hat alles mit einem "Lisa, du bist doch Germanistin - kannst du hier mal drüberlesen?"
Lisa Sonnenschein
Vielleicht habt ihr es ja schon mitbekommen - ich habe Überraschungspost vom Carlsen Verlag bekommen! Er war wunderschön verpackt und thematisch rund um den Wald herum dekoriert. Dazu kam dann noch der Aufruf zu einem - Achtung, englisch lesen^^ - Tag, zu dem ich schon ein Video aufgenommen hatte, erstmal ohne das Buch gelesen zu haben:


Tessas Vater ist der Kopfgeldjäger des Königs. Ein zugegeben nicht ganz ungefährlicher Job, das muss auch Tessa feststellen, als ihr Vater eines Tages von einem Auftrag nicht mehr heimkehrt... Um den Mörder zu finden und in ihr altes Leben als Fährtenleserin zurückkehren zu können, lässt sich Tessa auf einen Deal ein, der sie auf die Spuren ihrer Vergangenheit bringt.

Das Buch kommt im wunderschönen Kleidchen daher, da hat jemand wirklich alles gegeben - in die Optik KANN man sich ja nur verlieben. Aber ich will nicht weiter schwärmen und lieber zum Inhalt kommen.
Wir haben hier eine wirklich superklassische Jugendfantasy-Geschichte. Die Elemente sind: Abenteuerreise, Magie, (erste) Liebe und Suche nach der eigenen Persönlichkeit. Das Ganze wird dann nach dem literarischen Motiv der Heldenreise (ein typischer Handlungsverlauf, der sich in vielen Büchern und Filmen findet) verarbeitet und gipfelt in einer dramatischen Wendung, die auf den zweiten Teil der Trilogie neugierig machen soll.

Ihr ahnt es: Ich bin nicht übermäßig begeistert. Die Welt, in der wir uns bewegen, ist etwas Besonderes - zwei Länder, die im Streit stehen, ob Magie nun etwas Gutes oder Verbotenes sein soll und die Abenteuer im Wald bieten großartige Gelegenheiten für spannenden Buchstoff. Die raubeinigen Charaktere, denen wir in mittelalterlichem Umfeld begegnen, machen Lust auf mehr. Auch der Schreibstil macht Spaß, es gibt kleine Besonderheiten, wie zum Beispiel den Fluch "Pfeffer und Salz!", den Tessa immer wieder ausspricht.
Allerdings ist die Handlung doch ziemlich vorhersehbar, Andeutungen, die gemacht werden, lassen leicht die richtigen Schlüsse ziehen und die Verhältnisse zwischen den Charakteren basieren auf diesem typischen "Ich bin grundlos total sauer auf dich und bringe mich dadurch jetzt in kolossale Schwierigkeiten" - Verhalten. Handlungen sind stellenweise nicht nachvollziehbar und die große Katastrophe hat mich noch nicht mal ein kleines Bisschen überrascht (weil ich eben das Motiv der Heldenreise kenne und hier sofort erkannt habe). Ganz furchtbar anstrengend wurde dann für mich die Liebesgeschichte, die aus einem ständigen Hin und Her besteht - beide wollen sich, keiner macht den ersten Schritt und als es dann so weit ist, ist irgendwie doch wieder alles doof. Nerv! Aber hier muss man der Fairness halber auch sagen, dass ich mit Verliebtheit in Büchern ohnehin eher nicht so gut kann...

Alles in allem ist "Auf immer gejagt" ein netter Jugendfantasyroman in einer wirklich spannenden Welt. Die vorhersehbare Handlung und die stellenweise nervigen Charaktere haben ihn mir allerdings ein bisschen madig gemacht - ich hatte hier einfach mehr erwartet. 
Dieses Buch ist was nett Seichtes für den Strandurlaub, würde ich sagen.
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Erin Sumerill: Auf immer gejagt. Erschienen am 28. April 2017 im Carlsen Verlag. Kostenpunkt: 19,99€ als Hardcover.
Lisa Sonnenschein
Auch dieses Buch hat mich wieder über die "Aktion Bücherflüsterer" von buecher.de erreicht. Ich glaube, so allein in der Buchhandlung hätte ich nie dazu gegriffen...

Meine Videorezension dazu beginnt gleich am Anfang des Videos.



Kate und ihr Bruder waren eigentlich schon immer, spätestens aber seit dem Verschwinden ihrer Mutter, ein Herz und eine Seele. Umso irritierter ist Kate, als Gabe eines Tages einfach seine Sachen packt, sein Leben zurücklässt und mit drei mysteriösen Männern ein Boot betreten und davonfahren will. Kurzerhand beschließt sie, ihn heimlich als blinde Passagierin zu begleiten und stürzt sich so Hals über Kopf in ein fantastisches Abenteuer.

Okay - vorweg: Der Klappentext des Buches geht noch etwas über meine kleine Inhaltsangabe hinaus und man erreicht diese Stelle im Buch dann etwa auf Seite 150 (von 500). Vielleicht ist auch dieser Umstand dafür verantwortlich, dass ich den Verlauf der Geschichte unheimlich langatmig fand und das Buch immer wieder an die Seite legen musste. Vermutlich war das allerdings auch eine nötige Vorwegnahme, damit man überhaupt versteht, dass das Buch dem Fantasygenre zuzuordnen und kein Abenteuerroman ist. Wirklich in Fahrt kommt die Handlung auf jeden Fall erst auf den letzten Seiten würde ich sagen.

Kate ist eigentlich eine sympathische (wenn auch recht klischeehafte, weil typische verunsicherte, pubertierende 17-jährige) Protagonistin, die - warum auch immer - sehr an ihrem Bruder hängt. Sie handelt aus diesem Grund auch mal übereilt und unüberlegt. Das ist es aber nicht, was mich gestört hat. Vielmehr waren das Gabes völlig unlogische Entscheidungen, die auch trotz verzweifeltem Versuch ganz am Ende des Buches für mich nicht nachvollziehbar erklärt wurden. Der eigentliche Grund für das ganze Abenteuer hier wird also dadurch hinfällig, dass Gabe eigentlich keine wirkliche Erklärung für sein Aufbrechen hat und ohnehin immer wieder Entscheidungen der Art "Ich muss meiner Schwester jetzt Schwierigkeiten machen, damit es spannend bleibt" trifft...

Dazu kam dann noch, dass der fantastische Hintergrund des Buches (Einfluss schottischer Mythologie) zwar immer wieder angedeutet und auch andere Wesen als die Selkies angesprochen werden, jedoch dann nie auftauchen. Was ist mit den Elfen, Meerjungfrauen, Kobolden...? Es wäre wirklich klasse gewesen, da noch ein bisschen mehr Schottland-Sehnsucht zu schaffen - der Mythos um die Selkie, die sich durch ihr Fell in Seerobben verwandeln können, ist nämlich meiner Auffassung nach wirklich gut recherchiert.

Das Ende des Buches lässt vermuten, dass da noch ein Roman hinterher kommt, einige Fragen sind da durchaus noch offen - ich habe für mich allerdings schon entschieden, dass ich persönlich sie nicht im Rahmen des nächsten Bandes enträtseln will...
Das Buch ist ein netter Jugendroman mit einigen Mankos. Sprachlich ist "Selkie" aber in Ordnung und macht auch definitiv Lust auf den Urlaub am Meer. Leider fehlt für mich zu viel, um es wirklich empfehlen zu können, das Buch war wohl einfach nicht meins...
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Antonia Neumayer: Selkie. Erschienen am 10. April 2017 im Heyne Verlag. Kostenpunkt: 12,99€ broschiert.